Geschichte des Elisabethenvereins

 

Im Vereinsregister des Amtsgerichtes Singen ist ein sozialer Verein eingetragen, dessen Grundstein in einer Zeit gelegt wurde, als es noch längst keine gesetzlich verankerte und geregelte Sozial- und Jugendhilfe durch die Kommune gab: der Elisabethenverein Singen. Seine Entstehungsgeschichte reicht in das Jahr 1880 zurück.

 

Dekan Georg Neugart wandte sich 1879 an den Grafen von Enzenberg mit der Bitte zur Unterstützung zur Errichtung einer Krankenpflegestation. Die Hilfe wurde gewährt. So konnte am 24. Januar 1880 in Singen ein Krankenpflegeverein, der heutige Elisabethenverein gegründet werden.

Am 1. Februar 1880 erfolgte die ersehnte Ankunft von zwei erfahrenen Krankenschwestern vom Kloster Ingenbohl in der Schweiz. Zum Ende des Jahres hatte der Verein bereits 300 Mitglieder, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen das segensreiche soziale Wirken der Ordensfrauen unterstützten.

Mittlerweile hatte Singen über 2000 Einwohner. Pfarrer Neugart erkannte die Notwendigkeit, eine Kinderschule einzurichten. Der Singener Gemeinderat sah sich jedoch nicht in der Lage, die dafür notwendigen Betriebskosten zu übernehmen, stellte jedoch einen kostenlosen Bauplatz zur Verfügung, auf dem Neugart auf eigene Kosten 1887 die erste Kinderschule von Singen errichtete. Zur Deckung des Unterhaltes wurde ein Kinderschulgeld von 30 Pfennigen pro Kind und Monat festgesetzt.

Die Stadt Singen wurde immer größer. Im Jahr 1904 hatte sie bereits 5.720 Einwohner und in der Kinderschule drängten sich 190 Kinder. Ein größeres Haus wurde zwingend notwendig. Der Nachfolger von Georg Neugart wurde 1905

 

Prälat August Ruf, der sehr schnell sein besonderes Talent für Finanz- und Organisationsfragen zeigte. Mit Hilfe einer großzügigen Erbschaft von der Altsingener Familie Buchegger-Grimm konnte ein Bauplatz erworben werden, auf dem 1905/06 das sehr bekannte Elisabethen-Haus (heute Kardinal-Bea-Haus) gebaut wurde. Ende November 1906 war es bereits von 160 Mädchen und 100 Buben besucht. Außerdem diente das neue Gebäude als Krankenpflegestation und Wohnhaus für die Hegner Ordensschwestern. Die notwendigen Hilfen für alte und kranke Menschen wurden umfangreicher und intensiver. Selbstlos und mutig widersetzte sich August Ruf in seinem sozialen Wirken dem totalitären Würgegriff des NS-Staates.

 

Im Jahre 1942 übernahm der neue Stadtpfarrer von St. Peter + Paul, Geistl. Rat Adolf Engesser, den Vorsitz des Elisabethenvereins. In der Zeit des Niedergangs und nach Kriegsende gab es viel zu tun. In der Nachkriegszeit setzte der Elisabethenverein seine Aktivitäten unbeirrt fort. Sie bestanden vorwiegend in der Schaffung neuer Kindergärten: 1955 Herz-Jesu, 1960 Don Bosco, 1964 St. Michael, 1967 St. Franziskus. Wegen schwerer Krankheit musste Adolf Engesser zu Beginn des Jahres 1968 in den Ruhestand treten. Seine Nachfolge als Pfarrer der Kirchengemeinde Peter und Paul und neuer Vorsitzender des Elisabethenvereins wurde

 

Pfarrer Franz Knittel. Unter seiner Leitung wurde 1968 der Kindergarten St. Nikolaus errichtet und der älteste Singener Kindergarten im ehemaligen Elisabethenhaus in der Theodor-Hanloser-Straße 1971 auf dem neuerworbenen Nachbargrundstück eröffnet. Außerdem wurden während der Zeit von Franz Knittel die Kindergärten St. Martin (1968) und St. Nikolaus (1972) gebaut. Da der Pfarrer Franz Knittel 1973 die Geschäftsführung der Gesamtkirchengemeinde antrat, konnte er den Vereinsvorsitz nicht länger wahrnehmen. Eine Änderung der Vereinssatzung machte es möglich, dass nicht mehr ausschließlich der jeweilige Pfarrherr von St. Peter und Paul die Vereinsführung inne hatte.

So wählte die Mitgliederversammlung vom 19. März 1973 als neuen Vorsitzenden.

 

Pfarrer Heinrich Lerch von der Pfarrei St. Josef. In Heinrich Lerch erhielt der Verein einen Vorsitzenden, der über 25 Jahre hinweg in wachsamer Aufgeschlossenheit für soziale Anliegen die Geschicke des Vereins mitbestimmte. In seiner Person lagen pragmatische Schaffenskraft und sensibler kritischer Geist dicht beieinander. Er war eine Persönlichkeit, die sich bestechend in Wort und Schrift ausdrücken konnte.

Während seiner Vereinsführung fand auch ein Wechsel in der Alten- und Krankenversorgung statt. 1976 schied die letzte Ordensschwester aus dem Pflegedienst aus und seither wird die Sozialstation von Laien geleitet. Frau Dora Post wurde 1976 die erste Pflegedienstleiterin.

Zu den besonderen Verdiensten von Heinrich Lerch gehörte auch die Idee der Errichtung eines neuen Gebäudes für die Verwaltung und die Sozialstation des Elisabethenvereins. Mit seinem Mitwirken wurde ein modernes, praktisches und dennoch attraktives Gebäude im Randweg 1 gebaut. Am 5. Juni 1998 konnte das Haus eingeweiht werden.

Leider musste bald darauf Pfarrer Lerch aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Pfarrer von St. Josef und den Vereinsvorsitz niederlegen.

 

Wilfried Paul wurde am 27. November 1999 von der Mitgliederversammlung zum neuen Vorsitzenden gewählt. Auch dafür musste das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg eine Änderung der Vereinssatzung genehmigen. Bisher durfte nur ein Singener Pfarrherr den Elisabethenverein leiten. Somit ist Wilfried Paul der erste Laie, der dem Verein vorstehen darf. Dennoch besteht der Elisabethenverein erfolgreich weiter. Am 27. Februar 2010 fand die Einweihung einer neuen Kinderkrippe im Randweg statt. Im Laufe des Jahres 2012 soll in der Singener Nordstadt eine weitere Kindertagesstätte mit zwei Krippengruppen und drei Gruppen für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt gebaut werden.

Ab dem 1. Oktober 2011 wurde die Geschäftsführung des Elisabethenvereins vom Caritasortsverband Singen-Hegau übernommen. Herr Wolfgang Heintschel, Geschäftsführer des Caritasverbandes, und Oliver Kuppel, ebenfalls vom Caritasverband, nehmen diese Aufgabe wahr.

Unsere Vorsitzenden

 

Dekan Georg Neugart

Dekan Gerorg Neugart
1880-1904

 

Prlat August Ruf

Prälat August Ruf
1905-1941

 

Adolf Engeser

Geistl. Rat Adolf Engeser
1942-1968

 

Pfarrer Franz Knittel

Pfarrer Franz Knittel
1968-1973

 

Pfarrer Heinrich Lerch

Pfarrer Heinrich Lerch
1973-1999

 

Wilfried Paul

Wilfried Paul
1999-2016

 

Gerda Winter_Ficht

Gerda Winter-Ficht
seit 2017